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12. März 2013

Vortragsveranstaltung

"Die Rolle der Rheinischen Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in der NS-Zeit".
Großes Interesse!

Referent Günter Haffke
Vorsitzender des Historischen Vereins Andernach


Fast 100 Besucher, darunter auch der Ärztliche Direktor der Rhein-Mosel-Fachklinik, waren zum alljährlichen Frühjahrsvortrag in der Plaidter Hummerich-Halle gekommen. Vortragsthema war die Rolle der Rheinischen Provinzial-Heil und Pflegeanstalt (PHP) im Dritten Reich, Vorgängerin der heutigen Andernacher RMF. Als Referenten hatte der Geschichtsverein Günter Haffke, ausgewiesenen Kenner und 1. Vorsitzenden des Historischen Vereins e.V. Andernach gewonnen, der sich sachkundig und spannend diesem aufrüttelndem Thema widmete.
Haffke machte deutlich, dass die 1876 eröffnete Klinik in der 20er Jahren durchaus als Erfolgsmodell betrachtet werden muss. Für die damalige Zeit kamen dort fortschrittliche diagnostische und therapeutische Methoden zur Anwendung. Die Patienten wurden durch ein professionell ausgebildetes Pflegepersonal betreut.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte sich deren Rassenideologie und Weltanschauung auch in der Klinikführung durch. Maßgeblich war hier der Leiter der Anstalt, Dr. Johann Recktenwald, beteiligt. Die Zahl der Zwangssterilisationen nahm deutlich zu, ab 1941 dienten die PHP dann auch als Sammel- und Zwischenlager für Patienten mit Erbkrankheiten, die für die Vergasung in Hadamar bestimmt waren oder die in Kliniken im Osten deportiert werden sollten. In Zuge der von Berlin gesteuerten Aktion "T4" wurden im Reich aufgrund eines Ermächtigungsgesetzes Hitlers etwa 70.000 psychisch Kranke und als "lebensunwert" klassifizierte Patienten ermordet.
Günter Haffke setzte sich auch mit der schweren Frage nach Schuld und Widerstand auseinander. Die T4-Aktion wurde zwar aufgrund von Protesten, insbesondere der Predigten des Bischofs von Münster, gestoppt. Eine Bestrafung der in Andernach tätigen Ärzte erfolgte jedoch nur sporadisch. Ein Arzt wurde 1947 zum Tode verurteilt; seine Strafe wurde dann in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt. Den damalige Anstaltsleiter sprach man für nicht schuldig, ein anderer Arzt arbeitete später in einer Alzeyer Klinik.






Frank Neupert bedankt sich bei Günter Haffke

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