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14. Juli 2011

Luftschutzbunker unter Lauermanns-Wiese

Alter Luftschutzbunker erkundet.
Plaidter Geschichtsverein macht sein Versprechen von 2004 wahr.

Lage des Luftschutzbunkers


Josef Münch ließ es sich nicht nehmen, am Samstag, den 7. Mai, pünktlich um 9 Uhr, persönlich den Bohrhammer anzusetzen, um den vermauerten Eingang in den Britzkeller des Hauses Niederstraße Nr. 3a einzureißen. Als die ersten Steine entfernt waren, konnte man im Licht der Taschenlampen einen großen Raum erkennen. Die Männer des Geschichtsvereins staunten nicht schlecht. Wolfgang Krämer, der Leiter der Plaidter Feuerwehr, betrat als erster den Bunker, um den Sauerstoffgehalt zu prüfen. Danach erfolgte zunächst die Inaugenscheinnahme des Tunnelsystems, welches in den Tuff geschlagen und offensichtlich nirgendwo eingebrochen war. Dieser Luftschutzbunker (A) verläuft von Nordwest - in südöstlicher Richtung und erstreckt sich von der Grundstücksgrenze des Hauses Nr. 6 der Hauptstraße, unter Lauermanns Wiese bis unter das Grundstück Nr. 12 der Mühlenstraße (früher Jugendheim). Er hat die enorme Ausdehnung von rund 37 m Länge, von 2,50 m Breite und eine durchschnittliche Höhe von 2,20 m. Das waren Ausmaße, die man nicht erwartet hatte.

Der Eingang, der um 1950 zugeschüttet worden war, befand sich im Hof zwischen den Häusern Hauptstraße Nr. 9 (Blumenhaus Ohlig) und Niederstraße Nr. 1 (Schuhhaus Dreiser). Im Eingangsbereich sind drei quergestellte Bimsmauern von 0,50 m Dicke, die zu zweidrittel in den Raum ragen, im Abstand von 1,50 m errichtet. Man kann davon ausgehen, dass sie als Luft- und Splitterschutz erbaut worden waren. Ein weiterer, nach oben gerundeter Stollen (B) der geradeaus in nördlicher Richtung führt, hat eine Länge von 13,60 m und eine Breite von 1,80 m. Die Höhe beträgt mittig durchschnittlich 1,90 m und endet an der Grundstücksgrenze zum Pfarrgarten an einem Notausstieg, der allerdings jetzt zugeschüttet ist. Am Abzweigpunkt im Hauptstollen liegt Schuttmaterial, welches über viele Jahre von den Gärten her eingefüllt worden war. In dieser Deckenöffnung stand in der aktiven Zeit des Bunkers eine Fluchtleiter.

Aus dem Haupt-Luftschutzbunker biegt ein weiterer, in nördlicher Richtung verlaufender, etwa 0,8 m breiter, 1,50 m hoher und 13,10 m langer in den Tuff geschlagener schmale Stollen (C) ab, der sich später als Verbindung zu dem Luftschutzbunker Breitbach-Klee darstellte. Das war eine weitere Sensation. Nach 13 m veränderte sich die Bauweise und der Stollen führte weitere 9 m im Bogen nach links. Am Ende des privaten Bunkerteils erkennt man eine steil nach oben zugeschüttete Treppe, die 1944 im Hof der Metzgerei Breitbach-Klee endete und um 1955 zugeschüttet worden war. Äußert interessant war, dass die Familie Breitbach-Klee in ein römisches Bergwerkssystems vorgedrungen war, was Dr. Holger Schaaff, von der VAT (Vulkanologie-Archäologie-Technikgeschichte) Mayen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, am 16. Mai bei einer Begehung bestätigen konnte.

Auch ein Entlüftungsrohr an der Decke, das in den 90er Jahren im Garten Lauermann aus der Erde ragte, war noch zu sehen. Die Seitenwände des Stollens waren größtenteils mit Bimssteinen vermauert, um die Last des römischen Bergwerks abzufangen. Im unteren Bereich des Stollens befinden sich zwei kleine in den Tuff geschlagene Aufenthaltsräume. Anita Klee berichtete, dass dieser Luftschutzbunker erst bei Kriegsende 1945 fertiggestellt worden wäre. Ein dritter Stollen (D) mit einer Länge von 12 m und 0,8 m Breite bei einer Höhe von 1,50 m führt auf das Grundstück Niederstraße 13 und endet ohne einen Ausgang im Tuff. Man kann berechnen, dass dort in kürzester Zeit ein Durchbruch ins Freie möglich gewesen wäre.

Nur noch wenige Bürger von Plaidt können von ihren Erfahrungen im Luftschutzbunker berichten. Frau Anneliese Mehlis erinnerte sich, dass sie drei Mal den Luftschutzbunker bei Sirenenalarm aufsuchen musste. Maria Vogt (geb. Vianden) weiß noch, dass bei Fliegeralarm der Bunker auch von Kinobesuchern aufgesucht worden ist. Eine Woche nach der Öffnung des Bunkers hatte die Nachbarschaft und Interessierte, darunter auch der Ortsbürgermeister Wilhelm Anheier, Gelegenheit, die Stollenanlage kurz zu besichtigen. Aus Sicherheitsgründen ist der Bunker derzeit für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Bilder.

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