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01. November 2010

Exkursion zum Regierungsbunker

Plaidter Geschichtsverein besucht den "Ausweichsitz" der Bundesregierung in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Fotos Rainer Müller.

Anmarsch zum Silberberg


Exkursionsgruppe vor dem Eingang zum Bunker


Bunkerhauptverschluss


Abschottungen innerhalb der Anlage


Schalt- und Steuerpult


Brandbekämpfung


Zahnstation


Einer der zahlosen Schlafräume


Museumsende, Verschluss zum Tunnel



Das Interesse an der diesjährigen Herbstexkursion des Plaidter Geschichtsvereins war wie zu erwarten groß. Knapp 70 Vereinsmitglieder ließen es sich nicht nehmen, Einblicke in den Bunker der Bundesregierung zu nehmen.
Als 1948 der "Kalte Krieg" begann, musste mit dem Schlimmsten, einem atomaren Angriff, gerechnet werden. Um für diesen Fall gewappnet zu sein, errichtete die Bonner Regierung für rund 3.000 Personen im Ahrtal den sogenannten Ausweichsitz der Verfassungsorgane.
Dieser Bunker entstand in den Jahren 1960 bis 1972 in einem Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Eisenbahntunnel von 17.336 m Länge. Die Leitung dieses geheimen Großprojektes lag - und das verwundert - in den Händen von General Theodor Busse, der im Zweiten Weltkrieg General der Infanterie der deutschen Wehrmacht war.

Damit die Beamten im Ernstfalle schnellstmöglich zum Regierungsbunker gelangten, konnte sogar die Autobahn zur Landebahn eines Flugplatzes umfunktioniert werden. Alles war geregelt, sogar wer wann zuerst die Anlage betreten sollte. Das strahlungsfeste Eingangstor aus Beton besitzt ein Gewicht von 25 Tonnen. Schwere Aggregate konnten es in kürzester Zeit zufahren. Insgesamt gibt es in dem Bunker 250 Tore, die mit einem einzigen Befehl aus der Schaltzentrale automatisch geschlossen werden sollten. Bei allen technischen Einrichtungen war die Garantie auf 100 Jahre ausgelegt. Ersatzteile jeder Art waren sogar eingelagert. Außenluftfilter versorgten den Bunker mit Frischluft. Sie wurden mit Abschlussdeckel von mehreren Tonnen Gewicht im Notfall verschlossen. Den Bunker konnte man einen Monat abschotten.

Der Rückbau dieser Anlage erfolgte zwischen 2001 und 2006. Ein 200 m langes Teilstück dient heute als Museum und dokumentiert diesen wichtigen und lange geheim gehaltenen Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte. Zu sehen sind u.a. die Dekontaminationseinrichtungen, Technik- und Kartographieräume, das Schlafzimmer des Bundeskanzlers und die rote Sitzgruppe des Bundespräsidenten, sowie die zahlreichen Fahrräder und Elektrozüge mit Anhänger, die der Fortbewegung im Regierungsbunker dienten.

Ausklang nach dieser beeindruckenden Führung fanden die Exkursionsteilnehmer dann im "Weißen Roß" in Bad Breisig, wo man es sich bei bester Bewirtung und angenehmen Ambiente gut gehen ließ.

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