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13. März 2007

Unterirdischer Arbeitswelt, Römische Bergwerke in Plaidt, Kretz und Kruft

Dr. Holger Schaaff referierte im Foyer der Hummerichhalle

v.l. Referent Dr. Holger Schaaaff, Frank Neupert, Dr. Maria Zaar-Görgens, Wolfgang Horch

Der Referent beim Vortrag

Gefülltes Foyer

Frank Neupert überreicht nach ca. 200 Jahren mal wieder einen Plaidter Wein

Es sind viele geblieben

Offensichtlich schmeckt der Wein

Bericht zum Vortrag
Der Vorsitzende des Plaidter Geschichtsvereins, Frank Neupert, konnte im vollbesetzten Foyer der Plaidter Hummerich-Halle mehr als 120 interessierte Bürgerinnen und Bürger begrüßen. Nachdem er einleitend einige Worte zum historischen Weinbau in der Region und zum Werdegang des 2006 geernteten Plaidter Weins gesagt hatte, stellte Annette Klein, die stellvertretende Geschäftsführerin des Vulkanparks, kurz die anstehenden Veranstaltungen zum10-jährigen Jubiläum der Forschung im Vulkanpark vor. Im Jahr 2007 werden noch neun weitere Vorträge in diesem Zusammenhang angeboten werden. Dr. Holger Schaaff wurde als Hauptreferent des Abends von Wolfgang Horch dem Publikum präsentiert.
In seinem Vortrag Unterirdische Arbeitswelt, Römische Bergwerke in Plaidt, Kretz und Kruft hielt er zunächst fest, dass drei Quadratkilometer der Pellenz durch römische und mittelalterliche Tuffsteingewinnung unterhöhlt sind. Mit einer gut gestalteten Beamer-Projektion ging Schaaff auf die Herkunft der großen Tuffvorkommen in der Pellenz ein, die aus der Zeit der großen Vulkanausbrüche vor rund 13.000 Jahren stammen.
Er machte dann einen etwas ungewöhnlichen Sprung in die Zeit um 1800. Damals wurde die erste Kartenaufnahme des Rheinlandes durch den französischen Obristen Jean Joseph Tranchot erstellt, die aus vermessungstechnischer Sicht an die heutigen Standards nahe heranreicht. In den drei Pellenzorten Plaidt, Kretz und Kruft kann man auf diesen Karten bereits eindeutig Steingruben ausmachen.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Tuff nur bis zur Grundwasserlinie abgebaut, erst dann wurde es durch den maschinellen Einsatz von Pumpen möglich, in tiefere Bereiche vorzustoßen.
Römische Legionäre, die reichlich Zeugnisse wie Legionszeichen, Inschriften, Weihealtäre und Tonscherben hinterließen, begannen um 40 vor Christus mit dem unterirdischen Abbau der Tuffvorkommen. Der Rohstoff fand in den verschiedensten Bereichen Verwendung: Häuser, Wasserleitungen, Sarkophage, Brunnenbauten und militärische Anlagen wurden aus ihm gefertigt. In der Region, den Rhein abwärts bis hinauf nach Dänemark und Schweden lassen sich römische Bauten aus dem Tuffstein der Pellenz nachweisen. Das früheste Bauwerk ist wohl das Ubiermonument, ein Hafenturm in Köln aus dem Jahr 4 nach Christus. Mit vielen Illustrationen und Fotos erklärte Schaaf die Abbautechnik der römischen Bergleute, wie sie u.a. im Römerbergwerk bei Kretz anschaulich dargestellt wird.
Neu waren die Hochrechnungen Schaafs zur Masse des abgebauten Materials: Auf einer Fläche von rund 2,7 Quadratkilometer wurden in römischer Zeit ca. 3.000.000 Tonnen Tuff gewonnen. Dafür brauchen 100 Arbeiter etwa 550 Jahre, wie vorgenommene Feldversuche belegen.
Im weiteren Verlauf hob Schaaff die Arbeiten von Josef Röder, dem Leiter des Andernacher Stadtmuseums von 1957 bis 1975, hervor, dessen archäologische Ausgrabungen in der Pellenz die Grundlagen für die heutigen Forschungen im Vulkanpark bilden. Aus jüngerer Zeit zeigte Schaaff Aufnahmen seiner ersten Grabung in Kruft, der Einbrüche im Steinacker in Kretz, in der Kretzer Straße und am Sportplatz in Plaidt. Sie verdeutlichen, in welchem Umfang die Region von den Römern unterhöhlt wurde. Eine kürzlich erst aus einer privaten Sammlung bekannt gewordene Aufnahme der römischen Bergwerke unterhalb der Franz-Josef-Straße wurde erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Im Anschluss an den Vortrag konnten die Gäste den Plaidter Wein des Jahrgangs 2006 verproben.


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