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Archive – Musik

Plaidter Lieder

Direkt onesch em Hummerech
Die Perle vom Nettestrand

Musikalisches Plaidt

Der Vorstand des Geschichtsvereins hat beschlossen, dieses Jahr und zukünftig in jeder Ausgabe Plaidter Blätter Liedgut aus Plaidt mit den entsprechenden Textern und Komponisten vorzustellen. Für den Start wurden zwei Lieder Direkt onesch em Hummerech und Unser Plaidt ist die Perle vom Nettestrand ausgesucht.
Unter jedem Lied finden Sie einen sogenannten QR-Code (englisch Quick Response, schnelle Antwort). Mit einem internetfähigen Handy incl. Kamera und Software kann eine Videoaufnahme des jeweiligen Liedes gehört und gesehen werden, sowie über die Internetadresse www.plaidter-geschichtsverein.de/musik.

Direkt onesch em Hummerech wurde durch Juliane Bell genannt Bells Julla oder Kreiers Jul (geb. 21.07.1915 gest. 21.01.1994), der Mutter des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Pellenz, Klaus Bell, nach Plaidt gebracht und bei vielen Gelegenheiten von ihr mit Herz und Gefühl vorgetragen. Ich durfte sie dabei oft musikalisch begleiten. Besonders bei der dritten Verse, die sie teils im Sprechgesang an Petrus richtete lag immer ein schelmisches Lächeln auf ihrem Gesicht. Frau Bell war eine Plaidter Frohnatur, aktiv im Plaidter Vereinsleben, lustig, humorvoll und hatte immer einen Scherz auf den Lippen. Vielleicht war das der Weg für die Mutter von 3 Söhnen ihr Leben zu meistern, verlor sie doch 1963 zu früh ihren Mann durch einen Betriebsunfall. Im Mütterverein wirkte sie als 2. Vorsitzende, bei Nachbarschaftsfeiern, bei der Caritas und an Karneval erlebte man sie durch Gesangs- und Textvorträge unter anderm mit Ottilie Unger und Luise Schmitz. Sie war Mitglied des 1976 durch Frau Inge Klinger gegründeten Gesangs- und Zitherquartetts bei dem sie mit Frau Katharina Müsch (Vogts Ketti) die Zitter spielte, die vierte im Bunde war Loni Kretzer als Sängerin. Durch Mundpropaganda wurde das Quartett sehr schnell auch außerhalb von Plaidt bekannt. Man spielte in Koblenz, Bad Ems, Adenau, Mogendorf, bei einer Vernissage in Bad Hönningen und, angefordert durch Kantor Werner Marzi, den Sohn des langjährigen Plaidter Organisten Josef Marzi, sogar in einer Kirche in Duisburg. Viele Plaidter erinnern sich heute noch gerne an die Hirtenmesse am 1. Weihnachtstag um 8:00 Uhr, die vom Gesangs- und Zitterquartett mehr als 10 Jahre lang gestaltet wurde. Wenn das Stille Nacht – heilige Nacht erklang, blieb so manches Auge nicht mehr trocken und für die Kirchenbesucher hatte wirklich Weihnachten begonnen. Auf einer CD kann man heute noch einen Eindruck davon gewinnen.

Für ihre vielen Aktivitäten zum Wohle und zur Freude der Plaidter Bürger, wurde Juliane Bell mit der Rheinlandpfalz-Medaille geehrt.

Das Lied Direkt onesch em Hummerech stammt ursprünglich aus der Feder des Kottenheimer Heimatdichters Paul Eultgen und ist in Kottenheim als Direkt unnesch Büdde bekannt. Die Tochter des Heimatdichters, Ursel Halft, die selbst eine CD mit den Liedern ihres Vaters besungen hat, hat uns freundlicherweise erlaubt, das Lied weiterhin zu verwenden und zu veröffentlichen. Es muss dann wohl über den ehemaligen heimatverbundenen Kretzer Bürgermeister Röseberg nach Kretz gekommen sein und von dort hat es wiederum Frau Bell übernommen und textlich auf die Plaidter Umgebung angepasst. Die Aufnahme, die über den QR-Code und die Internetadresse zu hören ist, wurde im Seniorenheim Maria vom Siege unter Mitwirkung der beiden ehemaligen Mitglieder des Gesangs- und Zitherquartetts, Frau Kretzer und Frau Klinger und Gitarrenbegleitung von Hans Bell, dem Sohn von Juliane Bell, aufgenommen.


Das zweite Lied, Unser Plaidt ist die Perle vom Nettestrand wurde von Hermann Degen komponiert und getextet. Hermann Degen wurde am 16.10.1927 in Plaidt in der Mühlenstraße geboren. Sein Vater arbeitete dort in der Papierfabrik Noldensmühle. 1932 zog die Familie um ins Holland-Viertel in die heutige Rathenaustraße. Der Name stammt wohl vom ehemaligen Architekt Holland, der um 1870 diese Häuser für Bedienstete des Pommerhof erbaute. Ein anderer Bezug zum Namen Holland entstand durch vom Pommerhof angeworbene holländische Melker, die in diesen Häusern untergebracht waren. Mit acht Jahren traf ihn unglücklich ein Stein am Auge und ca. 1 1/2 Jahre später merkte er, dass er nur noch mit Mühe die Buchstaben im Gebetbuch erkennen konnte und seine Lehrerin, dass er dauernd über die Hilfs-Linien schrieb. Bei einem neunmonatigen Krankenhausaufenthalt wurde bei ihm dann eine angeborene Schwäche an der Netzhaut, die zur Netzhautablösung führte, festgestellt und behandelt. Eine Operation brachte nur kurzeitigen Erfolg, sodass er nach und nach erblindete. Ab 1939 besuchte Hermann die Blindenschule in Düren. Zu der Zeit existierte auch schon in Neuwied eine Blindenschule, in der aber nur evangelische Schüler aufgenommen wurden, da sie vom evangelischen Fürsten zu Wied gestiftet war. Die Schule in Düren wurde im Sommer 1944 durch Bombenangriffe zerstört, Hermann hatte gerade eine Ausbildung zum Stenotypisten begonnen. Nach Kriegsende im Oktober 1946 konnte er seine Ausbildung fortsetzen, diesmal aber als Bürstenmacher mit der Gesellenprüfung als Abschluss 1949. Kurz darauf startete er sein Einmann-Unternehmen zu Hause als Bürstenmacher. Die umliegenden Bims- und Betonwerke Meurin, Pies-Datz, Mohr, Pinger, Weiler, usw. waren seine Auftraggeber für die er Industriehandfeger und -bürsten aus Kokosfasern und Piasava zum Reinigen der Maschinen erstellte. Mit dieser Existenzgrundlage heiratete er 1956 seine Frau Alice. Aus der Ehe gingen 6 Kinder hervor. Ab 1966 wurde die Auftragslage dünner und er erinnerte sich wieder an die Stenotypistenausbildung. Nach einer gut einjährigen Umschulung legte er 1967 die Prüfung zur Büroschreibkraft ab. Mit 180 Silben pro Minute an einem Blindenschrift-Stenographiergerät und 280 Anschlägen an der Schreibmaschine hatte er hierzu gute Voraussetzungen. Er fand schnell eine Anstellung beim Straßenneubauamt Rheinlandpfalz, Außenstelle Andernach, wo er am Bau der Autobahnen A48 und A61 beteiligt war. Letzere wurde am 18.12.1978 durchgehend fertiggestellt. Nach einigen Ortswechseln fand er seine letzte Beschäftigung bei der Straßenbaumeisterei in Kruft, wo er 1987 mit 60 Jahren in Pension ging.

Hermann Degen ist heimatverbunden und fest mit Plaidt verwurzelt. Man findet ihn heute noch fast jeden Dienstagabend im alten Pfarrhaus bei der Kolpingsfamilie und 57 Jahre lang hat er mit seiner Bassstimme den Kirchenchor verstärkt. Ein Ochtendunger Bürger mit dem er die Blindenschule besuchte und der ein Lied über Ochtendung schrieb, animierte ihn vor 20 Jahren, desgleichen in Plaidt zu tun. So entstanden aus seiner Feder 2 Lieder, von denen wir eines hier vorstellen. Die in diesem Lied als Plaidter Ahnen besungenen Öschekoppsleute haben vor ca. 3000 Jahren v. Chr. im Bereich der heutigen Straße Im Maschereg gelebt. Bei dortigen Ausgrabungen 1910 in einem Hügel aus Tuffasche (daher der Name Öschekopp) wurden Behausungen, Arbeitsgeräte und Urnengefäße zu Tage gefördert. Alle Urnengefäße waren mit einer Bandverzierung versehen, was diesen Urbewohner auch den Namen Bandurnenleute einbrachte.

Bei der Musikaufnahme singt Hermann Degen selbst die Verse eins bis vier und beim Refrain wird er unterstützt durch Loni Kretzer, Inge Klinger und Hans Bell.